Hallo Slowenien 🇸🇮

Vor zweieinhalb Monaten bin ich nach Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, gezogen, wo ich zwei Semester lang im Ausland studieren werde. Bis jetzt bin ich ziemlich begeistert. Mittlerweile fühle ich mich schon weniger als Tourist und mehr als Einheimischer. Im September und die meiste Zeit im Oktober war ich im Urlaubsmodus und habe fast jedes Wochenende Ausflüge in die Berge unternommen. Unter der Woche habe ich im September einen Sprachkurs belegt, und im Oktober begannen die Vorlesungen an der Univerza v Ljubljani, aber es blieb noch genug Zeit, die Hügel rund um Ljubljana mit meinem Rennrad zu erkunden. Derzeit hält der allgegenwärtige Novembernebel die Stadt fest im Griff, aber bald wird die Weihnachtsbeleuchtung die Stimmung aufhellen:)

Es gibt schon viele Dinge, auf die ich zurückblicken kann, aber da wird bestimmt noch einiges mehr kommen. Hier sind ein paar allgemeine Infos und meine bisherigen Erfahrungen:

Das Land

Slowenien ist relativ klein (von Ljubljana aus ist das ganze Land in 2-3 Stunden mit dem Auto erreichbar), aber sehr schön zwischen Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien gelegen: Slowenien hat seinen eigenen Anteil an den Alpen sowie eine kurze Küstenlinie an der Adria. Außerdem ist es berühmt für seine vielen Höhlen. Mit Ausnahme des Nordostens des Landes ist alles ziemlich hügelig, und etwa zwei Drittel Sloweniens sind von Wäldern bedeckt. Es ist ziemlich cool, sowohl die hohen Berge als auch die Küste in so kurzer Entfernung zu haben und gleichzeitig in einer sehr schönen Stadt zu leben.

Die Stadt

Kurz gesagt, Ljubljana ist eine der besten Städte, die ich je besucht habe. Zu den Highlights gehören:

  • Die schöne Altstadt mit einer großen Fußgängerzone
  • Sehr internationale Küche
  • Ein Fluss durch die Stadt
  • Umgeben von Bergen => tolle Aussichten in alle Richtungen
  • Mehrere Aussichtspunkte mit einem Überblick über die Stadt
  • Sehr fahrradfreundlich

Ljubljana hat auch ein Bike-Sharing-System, aber soweit ich gesehen habe (und ohne es selbst zu benutzen), ist es nur eine nette Sache, aber nichts, worauf man sich verlassen kann: Die Fahrräder können nur an bestimmten Stationen abgeholt und zurückgegeben werden. Wenn eine Station leer ist, kann man kein Fahrrad abholen und wenn eine Station voll ist, kann man es nicht zurückgeben, sondern muss zur nächstgelegenen Station gehen. Mir gefallen die Karlsruher NextBikes viel besser, die ich einfach überall abstellen und abholen kann.

Alltag

Ich wohne direkt neben dem Stadtzentrum in einer WG im 7. Stock und die Lage könnte nicht viel besser sein. Alles, was im Stadtzentrum ist, kann ich zu Fuß erreichen. Die Fakultät für Informatik (FRI) ist 4km mit dem Fahrrad entfernt, aber mein Weg führt direkt durch einige der schönsten Teile der Stadt, z.B. Prešeren-Platz und Kongressplatz. Was mich überrascht hat war wie normal es ist sich als Fahrradfahrer ohne abzusteigen mitten durch die Fußgänger zu schlängeln.

Alle meine Vorlesungen finden an der FRI (Fakulteta za Računalništvo in Informatiko) statt, die in einem recht modernen Gebäude untergebracht ist und sich ein weiteres Gebäude mit der Fakultät für Chemie teilt. Die Vorlesungen dauern in der Regel drei Stunden, aber die ersten 15 Minuten jeder Stunde sind eine Pause, was ich tatsächlich angenehmer finde als eine 90-minütige Vorlesung ohne Pause.

Nach einem erfolgreichen 10km Lauf beim Ljubljana Marathon habe ich mich auch einer Laufgruppe angeschlossen. Ich freue mich schon sehr darauf, nächstes Jahr einige Rennen auf der Bahn zu laufen!

Eines der besten Dinge, die man als Student in Ljubljana bekommt, sind die Študentski Boni. Studenten erhalten in vielen Restaurants einen großen Rabatt, und normalerweise ist in der Mahlzeit auch eine kleine Suppe und ein Salat enthalten. Das Essen darf für den Studenten nicht mehr als 4,90 € kosten (ab 2023 5,90 €), der Rest wird von der Regierung übernommen. Meistens liegt der Preis aber irgendwo zwischen 3,50€ und 4,20€.

Die Sprache

Bevor ich nach Slowenien kam, war meine Motivation die Sprache zu lernen sehr hoch. Es war allerdings nicht einfach, online gute (und kostenlose) Ressourcen zum Lernen zu finden. Zuerst habe ich die Wochentage, die Zahlen und andere kleine Vokabel- und Grammatikschnipsel mit Youtube videos gelernt, und dann fand ich auf [AnkiWeb] (https://ankiweb.net/) genau 3 Vokabelkartenstapel für Slowenisch. Im Laufe des Sommers bin ich anderthalb davon durchgegangen, was etwa 300-400 Wörter und Sätze waren, von denen ich mir vielleicht 100 aktiv merken konnte. Während die Aussprache der einzelnen Buchstaben bis auf wenige Ausnahmen recht klar geregelt ist, ist es schwierig zu wissen, welche Silbe in einem Wort betont wird. Ich konnte kein einfaches slowenisches Text-to-Speech-Programm finden, daher war es gut, dass ich in dem dreiwöchigen Sprachkurs im September etwas Aussprache lernen konnte. Der Kurs gab mir auch eine gute Einführung in die Grammatik und so war ich auch täglich 3 Stunden der Sprache ausgesetzt.

Jetzt habe ich zwar keine 3 Stunden täglichen Kontakt mit Slowenisch, aber ich kann in einem Restaurant bestellen, mich mit Freunden verabreden und hier und da ein paar Sätze formulieren. Meine Motivation Slowenisch zu lernen ist immer noch hoch, aber im Moment ist es nicht so einfach es in den Alltag zu integrieren.

Weitere Fakten über Slowenisch:

  • Slowenisch hat nur 3 Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
  • Zum Ausgleich haben die meisten Verben zwei Versionen, um unter Anderem zwischen progressiven und perfekten Handlungen zu unterscheiden
  • Slowenische Verben können im Dual stehen (zusätzlich zu Singular und Plural) z. B. “wir/ihr/sie beide …”.
  • Es gibt 3 Genera, aber meistens ist es sehr einfach, das richtige herauszufinden

Die Berge und Seen

Ich war bis jetzt weder an der slowenischen Küste, noch in einer Höhle oder sogar in einem Nachbarland. Aber ich habe schon viel Zeit in den Bergen und auf dem Fahrrad verbracht. Meine Ausflugshighlights bisher sind:

  • Canyoning in Bovec
  • Rafting in der Soča
  • Wanderung auf den Hochstuhl
  • Tagesausflug zum Bleder See und zur Vintgar Klamm
  • 2 Bikepacking Trips nach Mozirje und zum Bohinj See
  • Klettersteig in den Jülischen Alpen
  • 2-tages Wanderung auf den Krn
  • Rennradtour über den Vršič Pass und auf den Mangart